April 2006
Abschlussbericht ;) Dargo ist annäherungsweise der perfekte Hund geworden! Solange ihn niemand anfasst, beißt er auch nicht. Das kann ich akzeptieren, denn ich möchte ja auch nicht von jedem einfach mal so angefasst werden...
Er hat nun ein wunderschönes Zuhause, in dem er sich sehr wohl fühlt: seine Augen und sein Fell glänzen, er ist ausgelassen und anhänglich. Und ich bin glücklich :)
November 2005
Zum 1. Januar 2006 habe ich eine 2-Zimmer-Wohnung gefunden, so dass Dargo ab dann auch öfter zu mir nach Hause kann. Die jetzige 1-Zimmer-Wohnung machte dies ja aufgrund meiner Kaninchen, die so leicht zu erschrecken sind, unmöglich. Ich freue mich sehr darauf, denn dann wird eine neue Zeit für uns anbrechen...
Apropos: ich habe ein sehr tolles Hunde-Buch geschenkt bekommen. Nun verstehe ich, dass Dargo sich für den Rudelführer hält und wir ihn kräftig in dieser Meinung unterstützt haben. Nur aus diesem Grund meint er, vor allem mich beschützen zu müssen, und darum beißt er Menschen. Ein Bekannter, der uns besucht hat, wollte sich von mir verabschieden - Dargo sprang zähneklappernd dazwischen (zum Glück mit Maulkorb). Momentan stürzen wir ihn von seiner Position innerhalb unseres Rudels, was auch schon erste erstaunliche Erfolge gezeigt hat! Aber auch für ihn ist es besser so, denn die Rudelführerschaft bedeutet vor allem Stress für ihn, den wir ihm jetzt nehmen, so dass er bald nur noch ein glückliches und entspanntes Leben zu führen braucht. Um alles andere kümmert sich dann sein Rudel für ihn.
Insgesamt bin ich aber auch immer noch sehr glücklich mit ihm: er ist anhänglich, verschmust, gehorsam und verlässlich. Die schönste Zeit verbringen wir weiterhin als Rudel zu dritt im Wald!
August 2005
Nun lebt Dargo schon seit über einem Monat nicht mehr im Tierheim und nach anfänglichen Problemen hat er sich jetzt endgültig in sein Rudel eingelebt. Er ist sehr anhänglich geworden, folgsam, verschmust und einfach liebenswert.
Nur das Problem mit fremden Menschen ist geblieben: mal bellt er einen Menschen mit Tasche, mal einen mit Regenschirm an. Angriffe bleiben so nicht aus, werden aber weniger. Natürlich haben wir eine Tierpsychologin und Verhaltensforscherin zu Rate gezogen, die uns auch tatsächlich gute Tipps geben konnte. So lernt er gerade langsam, dass nicht alle Menschen, die in sein Zuhause eindringen, schlecht sind. So lange sie ihn nicht streicheln wollen, lässt er sie auch fast in Ruhe - ansonsten wird er ziemlich unbarmherzig...
Während unserer Fahrradtouren läuft er dagegen sehr brav bei uns, versteht sich fast immer mit anderen Hunden und ist sehr verlässlich. Selbst davonspringende Rehe können ihn nicht mehr aus der Ruhe bringen, unbeirrt läuft er auf Zurufen zu uns, statt dem interessanten Tier hinterher. Ein wirklich großer Erfolg!
Juli 2005
Dargo hat einen sehr ausgeprägten Beschützerinstinkt. Zwei neue Vorfälle mit fremden Menschen lassen uns noch wachsamer werden: auch im Wald begegnet man ab und an Menschen... Ein Mann sprach mich im tiefen Wald an und in dieser Situation war ich dann doch froh, dass mein Hund auf ihn zurannte. Natürlich habe ich ihn abfangen können, aber die auch für mich eher bedrohliche Situation durch diesen Mann war gebannt.
Kim hat eine Wohnung gefunden, zentral, mit erlaubter Hundehaltung und Nähe zu Grünanlagen! Und am 8. Juli ist es nun endlich soweit: das Tierheim weiß Bescheid, dass wir Dargo an diesem Tag zu uns holen werden. Der Hund war so lange bei ihnen, dass sie natürlich alle auch ein wenig traurig sind und ihm die letzten Tage dort versüßen! Und ich kann es gar nicht erwarten...
Juni 2005
Den "Stadt- und Menschentest" hat Dargo leider nicht bestanden. Wir sind mit ihm mal nicht nur in den Wald oder auf eine Wiese gegangen, sondern wollten ausprobieren, wie er sich in der Zivilisation benimmt. Zuerst versucht er, einen jungen Mann, der dicht hinter mir geht, anzufallen - er hätte es auch geschafft, hätte ich ihn nicht noch rumziehen können. Das Knurren und Aufeinanderschlagen der Zähne sind aber deutlich zu hören. Nun wird er eben nur noch mit Maulkorb in der Stadt laufen dürfen. Dass er versucht, in jeden Imbiss hineinzustürmen, fällt da schon gar nicht mehr so ins Gewicht.
Als ich ihn anweise, vor meiner Wohnungstür auf mich zu warten, bleibt er 10 Minuten ruhig vor der halb offenen Tür liegen, obwohl er um meine Kaninchen weiß (ich habe ihn einmal in meiner Wohnung umher geführt). Er ist wirklich ein lieber Hund, der sich seine Menschen eben aussucht (wir mögen ja auch nicht jeden...)!
Mai 2005
Dargo hört immer besser: ein Reh läuft uns wie so oft im Wald über den Weg, aber obwohl er zur Jagd ansetzt, kann ich ihn sofort zu mir rufen. Ich bin sehr stolz und glücklich!!!
Auf einer Wiese nahe eines Flusses - glücklicher Hund, wenn er ins Wasser springt bei schon sommerlichen Temperaturen - ergibt sich die Gelegenheit, dass Dargo mit zwei anderen Hunden spielen kann. Er wird immer sozialer und schafft es mittlerweile, sich fast wie ein richtiger Hund zu benehmen. Als die Hunde samt Besitzer weitergehen, rufe ich Dargo und er kommt sofort zu uns, obwohl einer der Menschen Leckerchen in der Hand hält (die sicherste Methode, Dargo zu bestechen). Dies wäre ebenfalls ein wunderbarer Tag, wäre Dargo nicht kurz darauf losgelaufen und hätte fast einen Fahrradfahrer angefallen, weil dieser einen Fahrradhelm trägt und Dargo dies nicht einordnen kann. Zum Glück ist nichts passiert und der Fahrradfahrer bleibt freundlich. Es hätte auch anders ausgehen können...
Die Wohnungssuche gestaltet sich schwieriger als gedacht. Das Tierheim verlangt eine schriftliche Bescheinigung des Vermieters, dass Hundehaltung erlaubt ist - aber bis jetzt war noch keine solche Wohnung zu finden.
Dass es auch sonst schwieriger ist mit Hunden, haben wir an einem Feiertag gemerkt: wir waren mit mehreren Leuten und insgesamt drei Hunden (natürlich mit Dargo, der brav mit den beiden anderen Hunden im Auto mitfuhr) an einem Weiher verabredet zum Grillen. Da aber leider das Mitführen von Hunden verboten war und dies auch kontrolliert wurde, mussten wir sie umgehend nach Hause bzw. zurück ins Tierheim bringen. An sowas habe ich nun wirklich nicht gedacht...
Frühling 2005
Die ersten schönen Tage sind da! Dargo darf nicht mehr frei im Wald laufen bis ca. Anfang Juli, weil die Waldtiere nun ihre Jungen bekommen und somit Ruhe verdienen. Darum nutzen wir diese Zeit, um bei schönem, warmem Wetter auf einer einsamen Wiese zu liegen, an der direkt ein Fluss fließt. Dargo hat hier die gern wahr genommene Möglichkeit, sich abzukühlen und mit uns auf der Wiese viel zu spielen.
Dadurch, dass wir nicht ständig spazieren gehen, entwickelt sich sogar ein noch engeres Band zwischen Dargo und mir: wir spielen, kuscheln und schmusen sehr viel miteinander. Dargo wird im Spiel viel, viel zärtlicher und sanfter - die Zahl der Bisswunden und blauen Flecke reduziert sich langsam. Er sucht meine Nähe und gehorcht besser als zuvor!
An regnerischen Tagen laufen wir weiterhin mit Dargo im Wald - allerdings nur an einer sehr langen Leine. Aber wir rasten mittlerweile mehr, um Dargo zu streicheln und mit ihm zu spielen.
Kim überrascht mich eines Tages mit einem Entschluss, der mir die Tränen in die Augen treibt: er hat sich dazu entschieden, sich eine neue Wohnung zu suchen, wo er Hunde halten darf und wird Dargo zu sich nehmen! Nachdem abgeklärt war, dass er dies nicht für mich, sondern für Dargo machen will, bestehe ich darauf, dass Dargo offiziell mein Hund ist (in unseren Herzen ist er es ja schon) und ich die Kosten für die Hundehaltung mit trage.
Die Mitarbeiter im Tierheim freuen sich fast so sehr wie ich. Eine Frau sagt mir mit Gänsehaut am Körper: wenn wir ihn wieder zurückgeben, wird er bis an sein Lebensende im Tierheim bleiben. Aber daran ist nicht zu denken, genau wie meine Kaninchen gehört Dargo bald zu meiner Familie und ich werde alles tun, damit es so bleibt!
Ich habe das Gefühl, dass Dargo weiß, es hat sich etwas verändert. Er ist sogar noch anhänglicher geworden. Wir haben meist einen zweiten Hund auf unseren Spaziergängen dabei. Diesen verbeißt Dargo oft, wenn er in meine Nähe kommt - er ist leider so eifersüchtig, dass er wohl nur allein gehalten werden kann. Auch im Tierheim versteht er sich kaum mit anderen Hunden.
Winter 2004
Dargo versteht sich prima mit Kim, sie spielen sehr schön miteinander: ihm macht das Beißen nichts aus, er ist stärker als Dargo und kann sich gut spielerisch wehren. Dargo darf frei laufen, bekommt Liebe und Leckerchen. Ich glaube, er ist sehr glücklich!!!
Er wird sehr anhänglich mir gegenüber, worüber ich mich freue, denn schon lange habe ich mein Herz an diesen Hund verloren. Durch das ständige Spielen mit ihm laufe ich permanent mit zerkratzten und zerbissenen Armen und Jacken herum, aber das ist es mir wert. Er scheint es nicht anders gelernt zu haben... Ich habe das Gefühl, er erkennt uns als eine Art Rudel an.
Wir tollen viel im Schnee und natürlich muss die Zeit, die ich mit ihm verbringen darf, ausgenutzt werden: wir üben sehr viel. Nach drei Stunden Schnee und Kälte komme ich immer halb erfroren, aber unendlich glücklich nach Hause. Immer öfter wünsche ich mir, ihn mit mir nehmen zu können, aber darüber brauche ich mit meinen Kaninchen nicht zu diskutieren.
Selbst die Tierheimleitung ist begeistert von unserer Freundschaft und ist davon überzeugt, dass, wenn ich ihn nicht mit mir nehme, es niemand anderes tun wird...
Herbst 2004
Dargo scheint sich an mich gewöhnt zu haben - kein Wunder, ich bin mittlerweile die Einzige, die mit ihm Gassi geht!
Zu meinem Schrecken (ich merke erst jetzt WIE sehr ich an ihm hänge) wird Dargo für kurze Zeit vermittelt an eine Frau, die seine Macken kennt. Sie sieht dies nicht als Problem an, bis sie von ihm gebissen wird! Schade für ihn, gut für mich - natürlich hätte ich es ihm gegönnt. Aber es sollte nicht sein, also darf ich mich auch darüber freuen... Andererseits besitze ich zwei Kaninchen in einer kleinen 1-Zimmer-Wohnung, muss den ganzen Tag arbeiten und bin oft am Wochenende unterwegs - nicht gerade die Bedingungen, Dargo zu mir zu nehmen.
So gehe ich weiterhin so oft zu ihm, wie ich es einrichten kann - ich empfinde seine Angriffe auch nicht mehr als bösartig, es scheint mir eher so zu sein, als wolle er spielen, kenne aber die Grenzen des Zubeißens nicht. Ich vertraue ihm.
In dieser Zeit lerne ich einen jungen Mann (Kim) kennen, der genauso wie ich den Wald und Spaziergänge liebt und der vor Jahren mit seiner Freundin eine Hündin aus dem Tierheim geholt hat. Fortan haben Dargo und ich oftmals einen Begleiter, mit dem wir den riesigen Wald vor meiner Haustüre erkundschaften! Er ist es dann auch, der Dargo das erste Mal in unserer Gegenwart frei laufen lässt (dies ist verboten, aber ich habe das Tierheim darüber in Kenntnis gesetzt: bei Schaden werde ich somit haftbar gemacht und nicht das Tierheim selber). Schnell zeigt sich, dass Dargo, aus Rumänien stammend, mit großer Wahrscheinlichkeit ein Streuner war, was man auch an seinen schlechten Zähnen erkennen kann. Zum Glück hat er eine Bindung zu mir aufgebaut, so dass er langsam aber stetig lernt, mir zu gehorchen. Immerhin will ich nicht, dass er als streunender Hund vom Förster erschossen wird oder dass er Rehe oder Kaninchen reißt!
Sommer 2004
Mittlerweile kennen mich die Mitarbeiter des Tierheims, so dass sie mir nach einigem Abwägen und mehreren Warnungen einen Hund mitgeben, der - wie ich auch später immer wieder von Betroffenen erfuhr - Menschen angreift. Ein wenig ängstlich nehme ich Dargo mit in den Wald. Er scheint ganz ruhig und lieb zu sein, geht angenehm, ohne zu ziehen, an der Leine, so dass ich mich beruhige.
Es brauchte nicht lange, wir sind schon auf dem Rückweg, da springt er knurrend an mir hoch und beißt mich überall dort, wo er mich erwischen kann. Ich wehre mich und weiß mir nicht anders zu helfen, als ihn anzuschreien - Dargo beruhigt sich langsam. Bevor wir das Tierheim erreichen, spielt sich dieses Szenario noch einmal ab.
So, wie ich mich nur für diejenigen Kaninchen im Tierheim entscheide, die niemand anders mitnehmen würde (Kuss an meine aggressive Luna z. B.) bzw. die Pferde reite, auf die sich kein anderer mehr, so habe ich auch Dargo sofort ins Herz geschlossen. Ich weiß ihn ein wenig einzuschätzen und gehe den Sommer so oft wie möglich zu "meinem" Hund.
Wie so oft erlebe ich es auch hier, dass ich angesprochen oder einfach nur der Kopf über mich geschüttelt wird. Natürlich ist es so einfach, mit einem süßen Welpen rauszugehen. Das kann Jeder! Aber sich das Vertrauen eines Tieres zu verdienen, das aus welchem Grund auch immer als schwierig o. ä. verschrieen ist, ist eine Arbeit, die mich unendlich glücklich macht. Und dieses Glück durfte ich innerhalb der letzten Monate erleben.
Frühjahr 2004
Zum 1. März 2004 zog ich für meine Doktorarbeit in den Süden Deutschlands. Durch Zufall liegt meine Wohnung in derselben Straße wie das örtliche Tierheim, das ich als eins der ersten "Sehenswürdigkeiten" hier erkundete.
Aus Erfahrung mit anderen Tierheimen weiß ich, dass immer wieder Ehrenamtliche gesucht werden, die die aufgenommenen Hunde ausführen - so íst es denn auch in diesem Tierheim. Da ich mit Hunden aufgewachsen bin, kenne ich mich mit diesen Tieren recht gut aus und schnell vertraut man mir Jackie an, der zwar sehr lieb und zutraulich ist, aber der Autos hasst. Da das Tierheim an einer viel befahrenen Straße liegt, findet Jackie kaum Menschen, die mit ihm Gassi gehen - denn es ist sehr gefährlich, mit ihm an der Straße entlang zu laufen: er greift jedes vorüberfahrende Auto mit viel Kraft und Gebell an. Aber einmal im Wald angelangt, ist er der süßeste Hund überhaupt!
So verbrachte ich einige glückliche Wochen mit Jackie, die leider abrupt enden, als er ein Zuhause in Ulm findet - seine neuen Menschen hatten Erfahrung mit schwierigen Hunden. Ich bin sicher, es geht ihm auch heute noch gut dort!